ärger - fühlen was du fühlst

Aktualisiert: 25. Apr 2019


drei fragen, die du dir stellen kannst, wenn du wütend wirst

1. was sage ich gerade zu mir selbst?

2. könnte auch etwas anderes wahr sein?

3. welche werte und bedürfnisse sehe ich in frage gestellt?



manchmal ist uns der grund für unsern ärger nicht klar, und das vage gefühl kommt hoch, ärger sei möglicherweise nicht gerechtfertigt.

Aber wenn wir aufmerksam hinschauen, können wir eine feine verletzung einer persönlichen grenze erkennen, eine bedrohung, auf die uns unser ärger aufmerksam machen will.


kurz gesagt, ärger meldet sich, wenn grenzen verletzt oder in gefahrs sind verletzt zu werden. diese grenzen können eigene lebensverhältnisse betreffen, aber auch die anderer, oder einer ganzen gemeinschaft. dabei kann es sich um selbstwert handeln, um selbstbestimmung und sicherheit, oder um besitz, gesundheit und die soziale stellung, und vieles mehr.


ärger ist der wächter und bote für ein jetzt nötiges wachsam sein oder gar aktiv werden. ärger ist das alarmsignal, dass irgendetwas nicht so ist, wie es - zum eigenen wohle - sein soll und deshalb unsere aufmerksamkeit verlangt.


hat dein ärger im augenblick, da du ihn wahr nimmst, bereits beängstigende formen angenommen, ist es wahrscheinlich, dass du frühes leiseres rufe deines hüters überhört hast. ärger ist ein verlässlicher, nichts desto trotz 'schlafender' wächter, stets auf seinem posten, aber nicht darauf aus, zu den extremen zu greifen.

gesunder ärger bleibt stets im rahmen und 'greift nicht gleich zu den waffen' solange es friedliche wege gibt, das eigene territorium und die eigenen angelegenheiten wirksam zu schützen.


schwierig mit ärger ist, dass oft die emotion selbst als die antwort verstanden wird. ärger, zorn, wut sind aber lediglich die botschafter - dass eine grenzverletzung droht oder bereits stattgefunden hat. dieses missverständnis führt dazu, dass - statt der frage nach der grenzverletzung - das ausdrücken der emotion in den mittelpunkt rückt und sich in derben unkontrollierten worten und verletzenden handlungen entlädt.


um dieses missverständnis aufzuklären, ist es nötig tiefer zu gehen und unsere bedürfnisse und gefühle zu erforschen: welche meiner bedürfnisse sind in genau diesem moment in frage gestellt? welche gefühle löst diese bedrohung oder grenzverletzung in mir aus?

hinter ärger verbergen sich in der regel gefühle der angst (verwirrung, zweifel, unsicherheit, verdacht, verlassenheit, panik, schock ...) und trauer, schmerz (verlust, enttäuschung, bedauern, herzschmerz, depression ...).


es ist wichtig, alle beteiligten gefühle zu benennen und anschliessend mit dem (hier und jetzt) unerfüllten bedürfnis in verbindung zu bringen. diese bedürfnisse können etwa sicherheit, klarheit, verbundenheit heissen, aber auch austausch, gesehen werden, liebe ... und viele mehr. wenn uns dieses benennen und zuordnen gelingt, öffnet sich unser herz und unsere intelligenz für ein ganzheitlicheres verständnis von uns selbst und anderen sowie für heilsame und wirksame handlungen.


zu 'fühlen was wir fühlen' ist nicht einfach, weil ärger vorerst als berechtigt und deshalb befreiend, sowie als ermutigend und deshalb erfreulich erlebt wird. "DU hast mich so wütend gemacht. was meine aggression DIR gegenüber rechtfertigt".


der vermeintliche gewinn im ungefilterten frust ablassen, macht es schwer, diesem ersten impuls nicht zu folgen. sich stattdessen (weiteren) unangenehmen (als schwächend empfunden) gefühlen wie trauer, verlust, depression oder angst zuzuwenden, das macht das loslassen von alten mustern nicht einfach.


der langzeit gewinn, uns zu erlauben, zu 'fühlen was wir fühlen' und verletzlich zu sein, ist stetig wachsende einsicht in die menschliche natur und tiefes mitgefühl - beides garanten auf dem weg zu einer inneren haltung und zu verhalten, das leiderfahrung sowohl für uns selbst als auch für andere vermindert.




#feelings #needs #compassion #vulnerability #reducesuffering



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